Können Marken nachhaltig kommunizieren?
Anlässlich der inspirato-Konferenz “Neues Wachstum” haben wir versucht diese Frage anhand von Beispielen aus der Praxis zu beantworten.
Der Vortrag ist hier als pdf downloadbar: Vortrag inspirato (einfach anklicken und Download beginnt)
Seit September steht die Berliner Mauer wieder …
… mitten in der Stadt. Als Panorama von Yadegar Asisi.
SHANGHAI BERLIN hat den Künstler zu seinem neuen Werk befragt:
Herr Asisi, bitte fassen Sie zunächst Ihr neues Panorama-Projekt in wenigen Sätzen oder Worten zusammen.
Mein neues Panorama „Die Mauer“, ausgestellt am Checkpoint Charlie, einem der bekanntesten Grenzübergänge des geteilten Berlin, ist eine sehr persönliche und künstlerisch verdichtete Sicht vom Alltag an und mit der Berliner Mauer. Es soll zum Nachdenken anregen, wie wir Menschen uns arrangieren und uns einer grausamen Realität anpassen. Es soll uns nicht vergessen lassen, dass Mauern fallen und überwunden werden müssen. Das Panorama versteht sich als Beitrag zu diesem Thema mit dem kritischen Blick auf uns und auf mich selbst.
Wie kam es zu der Idee die Mauer als Kunstprojekt wieder „aufzubauen“?
Wenn ich ein Panoramaobjekt angehe, dann beschäftigt mich eine grundlegende Fragestellung und diese motiviert mich dann über den manchmal mühseligen mehrjährigen Arbeitsprozess. Wenn ich mich an das geteilte Berlin erinnere, dann macht mich das Nebeneinander von so Unvorstellbarem und gelebter Normalität bis heute nachdenklich. Lange Zeit fehlte mir aber eine Idee für die Umsetzung. Über die Unmenschlichkeit der Mauer wurde und wird in der Stadt viel gesprochen. Als ich mich aber fragte, wie das Lebensgefühl neben diesem Monstrum war, erschrak ich vor meiner eigenen Antwort. Es war irgendwie normal geworden. Wir hatten uns arrangiert.
Sie selbst haben einige Zeit an der Mauer gelebt, inwieweit fühlen Sie sich mit dem geteilten Berlin verbunden und wie haben Sie das Spannungsfeld zwischen Ost und West empfunden?
Wer Augenzeuge von Geschichte wird, findet sich später immer wieder in der Erzählerrolle. Oft scheitert man allerdings bei dem Versuch das Unglaubliche nahezubringen. Es fehlen einfach Worte auf der einen oder das Vorstellungsvermögen auf der anderen Seite. Dazu kommt die subjektive Sicht.
Ich bin in der DDR aufgewachsen. Erst seit 1978 lebte ich in Westberlin. Ich habe somit beide Seiten kennengelernt. Das Leben im Alltag war doch nicht, wie man vermuten würde. Es war ein Leben in der Gesellschaftsordnung. Erst im Nachgang kam die Ernüchterung. Fernab von Gut oder Böse bin ich Beobachter gewesen.
Ist Ihrer Meinung nach die frühere Teilung auch mehr als 20 Jahre nach dem Mauerfall noch spürbar?
Nein, das denke ich nicht. Wenn man bedenkt, dass junge Menschen, die um die Neunziger geboren worden sind, nie diese schreckliche Mauer gesehen haben, und sich auch kaum vorstellen können, wie sich das Leben in der geteilten Stadt einer geteilten Welt abgespielt hat, dann wächst zusammen, was zusammengehört. Wir sollten von imaginären Mauern und Betonung solcher Unterschiede abkommen und davor warnen.
Wie entscheiden Sie, welche Orte Sie als Inspiration für Kunstwerke nutzen und wie viel Zeit beansprucht so ein Projekt?
Jeder Ort kann als Quelle der Inspiration dienen. Es ist jedoch die zündende Idee, die mich vorantreibt und mich in diesem Moment das fertige Bild vor Augen sehen lässt. Dann kann es durchaus bis zu fünf Jahre dauern, bis dies umgesetzt wird. Unzählige Skizzen, Aquarelle, Fotos. Von der tiefgründigen Recherche und Auseinandersetzung mit dem Thema bis hin zur Produktion ist es ein langer kreativer Weg. Um ein paar Beispiele zu nennen: Für „Amazonien“ bin ich in die geheimnisvolle Welt des Regenwaldes eingetaucht, um mich mit der Natur auseinanderzusetzen, um das Ökosystem besser zu verstehen und mich dafür zu sensibilisieren.
Beim Pergamon-Projekt haben sich Kunst und Wissenschaft sehr anspruchsvoll die Hand gegeben. Jedes einzelne Exponat, jedes noch so kleine Detail ist wissenschaftlich fundiert und künstlerisch interpretiert.
Das vollkommen neue und überarbeitete „Dresden“ Panorama zeigt die gleichnamige Stadt in einer Momentaufnahme des Dresdner Barock. Zahlreiche Veduten u.a. die von Canaletto haben mich inspiriert, dieser prachtvollen Stadt und ihrem Glanz wieder Leben einzuhauchen.
Können Sie uns diesbezüglich auch in wenigen Sätzen erläutern welches Material und welche Technik Sie nutzen?
Ich bin als Künstler unterwegs, um meine Visionen in Panoramen umzusetzen. Viele Fotos, Zeichnungen, Skizzen und Aquarelle entstehen dabei und helfen mir, das Zweidimensionale in die perfekte Illusion des Dreidimensionalen zu verschmelzen. Und die richtige Perspektive versetzt den Betrachter mittendrin!
Bitte beenden Sie nun diesen Satz: Grenzen überschreiten und Mauern einreißen heißt für mich… lebendig sein!
Herzlichen Dank an Herrn Asisi für dieses Interview und die interessanten Einblicke in sein Schaffen. Mehr dazu auch unter www.asisi.de
Muscheln, Münzen, Minuten
Dass Enzyklopädien durch das Internet abgelöst werden können, kann man sich ohne Probleme vorstellen. Dass das Schreiben von Briefen durch das Internet zur Seltenheit wird, auch. Aber eine Welt ohne Geld?
Zeit als Währung.
“Zeit ist Geld” sagt der Volksmund und das ist auch das Grundprinzip des Time Banking – ein System des gegenseitigen Austauschs von Dienstleistungen auf Basis der Währung Zeit. Oder anders gesagt, ein alternatives Wirtschaftssystem ohne Geld, das auf den Werten Teilen, Helfen und Zusammenarbeiten basiert.
Auch wenn das Internet Time Banking wesentlich vereinfacht und ganz neue Reichweite dafür geschaffen hat, ist die Idee, Zeit als Währung einzusetzen, schon wesentlich älter. Bereits kurz nach der Industriellen Revolution Anfang des 19. Jahrhunderts wurden parallel in den USA und in Großbritannien erste Ansätze dazu entwickelt. Als Urvater der Idee kann man zum einen den amerikanischen Anarchisten Josiah Warren, der 1827 den “Cincinnati Time Store” ins Leben gerufen hat, bezeichnen, aber auch den britischen Industriellen und Philanthropen Robert Owen, der als früher Verfechter der Theorie die utopistische Gemeinschaft “New Harmony” gegründet hat. Brauchte man damals noch eigens gedruckte Banknoten und Getreide-Rationen als Vergleichswert für das “Zeit-Geld”, so funktioniert Time Banking heute durch diverse aufstrebende Online-Plattformen komplett virtuell und immer öfter sogar standortunabhängig.
Der digitale Trend.
Aus dem System der organisierten Nachbarschaftshilfe hat sich über das Web eine Bewegung entwickelt, die immer stärker zum Trend avanciert: Auf einem virtuellen Konto sammelt man Stunden durch das Erbringen von Leistungen wie Babysitting, Nachhilfe, Grafikdesign, Übersetzungsarbeiten, Waschmaschinen reparieren etc. Diese Stunden können gleichwertig für andere in der Community angebotenen Leistungen eingelöst werden. Dabei gibt es keinen Unterschied in der Wertbemessung zwischen den einzelnen Leistungen: Eine Stunde ist eine Stunde, egal ob man sie sich durch das Ausführen von Hunden oder durch einen Spanisch-Kurs verdient hat. Gelungene Beispiele für solche Online-Communities sind “Zumbara” in der Türkei, die Time Bank von “e-flux” oder “justXchange”, aber beispielsweise auch der Erfolg der Beherbergungsplattform Couchsurfing basiert auf diesem Prinzip des gegenseitigen geldlosen Austausches von Leistungen. Diese Beispiele zeigen, dass Demokratisierung und Kooperation, als Symptome des Phänomens Web 2.0, nicht nur abgekapselt in der rein virtuellen Welt passieren, sondern auch ein Bindeglied zwischen dem virtuellen Raum und der realen Welt bilden können: Die Vernetzung passiert zwar online – der Austausch der Leistungen kann sowohl virtuell als auch von Angesicht zu Angesicht stattfinden.
Occupy Volkswirtschaft.
Bisher bestimmte die globale Marktwirtschaft, was Arbeit ist, wer Arbeiten darf und wie viel Arbeit wert ist. Time Banking schafft es, im Rahmen eines volkswirtschaftlichen Mikro-Kosmos diese gesetzten Regularien und Grenzen aufzuweichen und sogar aufzuheben. Beim Time Banking kann jeder seine Leistungen anbieten. Was alles als Leistung angeboten werden kann, bleibt den Mitgliedern selbst überlassen und die Vergütung erfolgt gleichberechtigt.
Wer weiß, ob dieses System irgendwann das erfolgreichere sein wird – zumindest zeigt es in Zeiten der Euro-Krise eine interessante, wenn vielleicht auch utopisch anmutende, Alternative mit einem neu belebten Wertekodex.
Wie Spaghetti zusammenführen
Letztes Wochenende wurde auf der erstmals in Spandau stattfindenden langen Tafel gezeigt, wie das möglich ist.
Das Konzept war einfach: Spaghetti für alle! Das Einzige, was man mitzubringen brauchte, waren Besteck, Teller und ein wenig gute Laune. Bis jetzt war diese Art von Veranstaltung nur im Sommer üblich, doch ein Teller dampfender Spaghetti ließ jeden das windige Wetter und den dunklen Himmel vergessen. Nebenbei bekam man auch ein paar musikalische Leckerbissen von Schülern serviert.
Es sollte jedoch nicht vergessen werden, dass es hierbei nicht in erster Linie um die Spaghetti geht. Hier kommen verschiedene Generationen und Kulturen zusammen, die sich unterhalten. Mit der Bitte um einen Becher Wasser kommt man ins Gespräch und schon nach wenigen Momenten ist vergessen, wer fremd ist und wer nicht.
Gastgeber der letzten Tafel waren die Schüler von drei Spandauer Schulen, die den Besuchern ordentliche Portionen servierten.
Appetit bekommen? Weitere Infos und Termine gibt’s unter: www.lange-tafel.com
Friesisches Niveau
Eine Betrachtung der aktuellen Tourismuskampagnen in Horizont. (Please click to enlarge.)




