Mobile 2/3: “Das Thema Mobile steckt uns in den Genen.”

Posted by , Filed under Team-Beiträge, Unser Denken , Feb 14, 2012 , No Comments
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Welche grundlegenden Veranlagungen und Bedürfnisse stecken also in uns, die eine so hervorstechende Kompatibilität mit den Möglichkeiten eines Smartphones besitzen?

Wir Menschen sind
Herdentiere. Denn der Zusammenschluss zu einer Herde (oder Horde) erhöht die Überlebenschancen und damit die Wahrscheinlichkeit, dass wir unseren genetischen Code weitergeben können. Damit unterscheidet sich unser Sinn des Lebens nicht wirklich von dem einer Amöbe aber wir erfüllen ihn eben auf unsere Art. Wer unsere DNA oder unsere Interessen teilt, wird eingeladen, am Lagerfeuer Platz zu nehmen und mit uns auf die Jagd zu gehen. Alle anderen müssen leider draussen bleiben.
rastlose Jäger und Sammler und immer auf der Suche nach dem Platz an der Sonne oder dem Schlaraffenland. Das Mobile wurde uns quasi in die Wiege gelegt und hat den Vorteil, dass wir nicht verhungern, wenn der Supermarkt unseres Vertrauens wegen Betriebsferien geschlossen hat und wir auch mal bereit sind umzuziehen, wenn das Job-Angebot reizvoll erscheint. Auf jeden Fall halten wir immer die Ohren gespitzt und viel versprechende Möglichkeiten im Auge um im Bedarfsfall rechtzeitig reagieren zu können.
soziale Wesen. Dabei ist das Soziale keineswegs Selbstzweck. Es erleichtert das Zusammenleben in einer Gruppe und ist uns im Laufe der letzten Million Jahre so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir es perfektioniert haben (z.B. durch die Entwicklung von Sprache). Allen Kriegen zum Trotz: Nur wenige andere Lebewesen sind in der Lage in so hoher Konzentration auf so engem Raum zusammenzuleben wie wir Menschen.
Informationsjunkies. Nicht aus Freude am Sammeln – es erleichtert einfach das Überleben, wenn wir von anderen rechtzeitig erfahren, dass im zweiten Busch rechts ein Säbelzahntiger lauert, dass man am Nord-Pol lange Unterhosen braucht oder wie man einen Speer herstellt.
kühle Rechner und stellen bei fast allem, was wir tun, Aufwand und möglichen Ertrag gegenüber. Dabei gehorcht unser Handeln einer einfachen Maxime: Je weniger wir zum Erreichen eines Ziels tun müssen, um so besser.

Vor diesem Hintergrund überrascht eher der Umstand, wie lange es gedauert hat, bis das mobile Internet massentauglich wurde und weniger das Ausmaß seines Erfolges. Die gravierendste Fehleinschätzung vieler Unternehmen bestand Mitte der 90er darin, das Internet als Allheilmittel zu betrachten, das auf magische Weise alle Kommunikations-Aufgaben (und Probleme) lösen würde. Eine Einschätzung, die einen gewaltigen Boom der Internet-Branche zur Folge hatte, der schnell den Bezug zur Realität verlor und schließlich in der Implosion einer Internet-Blase mündete.

So wenig, wie das Internet damals zu 100% die klassischen Formen der Markenkommunikation ersetzen konnte, so wenig wird das mobile Internet den PC als online Zugang aus dem Weg räumen. Aber – klassische Kommunikation, das klassische Internet und das mobile Internet besitzen individuelle Stärken und Schwächen, die es zu nutzen bzw. zu kompensieren gilt. Richtungsweisend sind vor allem die Unterschiede beim Nutzerverhalten, dass wiederum stark von den Möglichkeiten des jeweiligen Mediums bestimmt wird.

Die Stärken von Anzeigen, Plakaten, TV- oder Radiospots und Co. besteht im Generieren von Aufmerksamkeit. Auch wenn dies im Einzelfall nur für den Bruchteil einer Sekunde geschieht – reicht dieser Bruchteil aus, um Neugier oder Interesse zu wecken. Konsumenten haben so gut wie keine Möglichkeit, diese Form der omnipräsenten, visuellen/akustischen Botschaften zu ignorieren.
Die Schwächen: Sie sind nicht dafür geeignet, auf individuelle Bedürfnisse potenzieller Nutzer einzugehen und entsprechend zu informieren, weil ihr Raum sehr begrenzt ist und sie einseitig nach dem Sender/Empfänger-Prinzip funktionieren.

Die Stärken von Smartphones und dem mobilen Internet beginnt genau dort, wo der Wirkungsbereich von klassischen Kommunikationsmaßnahmen endet und online noch nicht greift: Der Konsument fordert pro-aktiv individuelle Informationen an, für die er im jeweiligen Moment empfänglich ist. Das geschieht in vielen Fällen situativ – oder eben ausgelöst durch äußere Impulse, wie Anzeigen, Plakate, TV-Spots, etc. Weil auf Smartphones weder das Schreiben noch das Lesen komplexer Textmengen gut funktioniert, eignen sich kompakte Informationsmengen für dieses Medium am Besten. Sie verstärken das Interesse potenzieller Konsumenten, ohne es komplett zu befriedigen und animieren sie unbemerkt dazu, sich stärker mit einem Produkt auseinander zu setzen.
Die Schwächen: Auch wenn Text-Nachrichten noch relativ häufig gelesen werden, wird dieser Vermarktungsform mittelfristig das gleiche Schicksal ereilen wie eMails: Viele von Ihnen werden in Spamfiltern hängenbleiben oder ungelesen in den Papierkorb wandern. Ähnlich ergeht es einem Großteil der Apps, die, kaum haben sie das Licht der digitalen Welt erblickt, aufgrund von negativen User-Bewertungen und Kommentaren ein unbeachtetes Dasein fristen. Wenn man von “location based services” absieht, sind Kommunikationsmaßnahmen für Mobiltelefone nur bedingt dazu geeignet Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Die Stärke von PCs: Egal, ob es um Informationen, Shopping, Banking oder Kommunizieren geht: Dank des Internets bewegt sich die Welt zum User: Ohne Medienbruch und ohne die Notwendigkeit, sich vom Schreibtisch entfernen zu müssen. Eine sehr komfortable Position, die auch komplexe Prozesse ermöglicht, die vor der Einführung des Internets überhaupt nicht denkbar waren. Das Netz sorgt dafür, dass geografische Grenzen zunehmend an Bedeutung verlieren. Die Globalisierung der Nutzer bedeutet schon heute eine Herausforderung für Unternehmen und Konzerne, der sich nicht immer alle gewachsen zeigen und die die Produkt-Vermarktung in den nächsten 10 bis 20 Jahren deutlich verändern wird.
Die Schwächen: der Mangel an Spontaneität. Weil PCs an einem festen Ort stehen und sich, anders als Smartphones, nicht 24h in direkter Reichweite befinden, kann ein zuvor gewecktes Interesse nicht sofort befriedigt werden. Wenn ein User dann später wieder an seinem Rechner sitzt, ist das Interesse aufgrund von anderen, frischeren Eindrücken, oftmals schon wieder erlahmt. Auch die Existenz von Laptops und Tablets ändert die Situation nicht wirklich grundlegend, denn sie bieten natürlich die entsprechende Mobilität. Aber wie viele Menschen tragen diese Geräte 24h und 7 Tage die Woche bei sich?

Jedes Kommunikationsmedium hat also Stärken und Schwächen. Wer sie richtig aufeinander abstimmt und kombiniert, profitiert von ihren jeweiligen Stärken, ohne ihre Schwächen in Kauf nehmen zu müssen. Das mobile Internet hat als Grenzgänger zwischen der realen und der digitalen Welt eine klaffende Lücke geschlossen und die Trennung zwischen lokal und global in vielen Bereichen aufgehoben.


 

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