Ein Burger ist ein Burger ist kein Burger – zumindest in Berlin
Umringt von einer Armada goldgelber Pommes Frites liegt er da. Zwischen Bulette und Weizenbrötchen-Hut lugen kess Gewürzgurke und Zwiebelstückchen hervor, Ketchuptupfer und Schmelzkäse bilden eine klebrige Ménage à deux – farblich gewagt, aber reizvoll. Und er duftet so toll.
Die Ästhetik des Burgers – mag sich nicht jedem erschließen, ist aber, wenn man sich darauf einlässt, eine Erfahrung für die Ewigkeit. Die Message: In manchen Situationen muss man seinen Instinkten folgen. Einfach reinbeißen. Vergiss Stil, Coolness, Political Correctness. Das alles hat ein Burger nicht, ist er nicht, will er nicht. Schmecken soll er und im besten Fall satt machen.
Oder? Ein Blick auf Berlins junge kulinarische Szene deutet eine Trendwende an. Burger sind nicht mehr einfach nur Burger. Sie sind erwachsen und schick geworden. Für jeden Gaumen gibt es die passende Variante. Pappige Schrippen werden durch leicht getoastete Briochetaler ersetzt, statt Senf und Ketchup würzen Gourmets mit einer Jus aus Portwein und Trüffeln. Oder pur mit Meersalz und Vanille-Pfeffer aus Borneo. Und das Fleisch… ja, das Fleisch. Das ist ein heikles Thema. Ist ja nicht mehr wirklich angesagt. Also Back-Camembert und Pastinaken-Feta-Bratlinge statt Halb-und-Halb-Hack. Dafür müssen auch keine blähenden Rinder gezüchtet und verarbeitet werden. So lässt sich gleichzeitig Tierliebe und environmental awareness demonstrieren. Bio-Fleisch ist aber meist auch ganz okay. Wenn nun der Rest des Burgers noch fair gehandelt ist, ist alles gut.
Ich weiß nicht recht. Bei Fast Food bin ich Traditionalist. Wenn ich also von Burgern spreche, spreche ich von dem Ding mit Weizenhut und Cheddar-Ketchup-Pampe. Von dem Ding, in das ich mich im Alter von sieben Jahren verliebte. Das alles andere als eine klassische Schönheit ist, aber trotzdem irgendwie perfekt. Wie ein lachendes Jungmädchengesicht mit Zahnlücke und abstehenden Riesen-Ohren. Oder wie Berlin eben.
PS. Auslöser für diese Gedanken war übrigens ein Besuch bei YOYO Foodworld (siehe Bilder). Aber Berlin bietet natürlich auch noch sehr viel mehr tolle vegetarische Erlebnisse.




